Das Pikett Glattal hört aus Protest Ende Jahr auf

18. Dezember 2008 | Von Moderator | Kategorie: Diverses

Per Ende 2008 beenden alle Feuerwehrmänner des Piketts Glattals aus Protest den Dienst bei Schutz und Rettung Zürich. Das Pikett bestand seit 79 Jahren und setzte sich aus Freiwilligen aus den Quartieren Zürich Nord zusammen. Der Entscheid wurde von den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr gefällt, nach dem Bespitzelungen ans Tageslicht kamen und ihnen unprofessioneller Umgang bei Ernstfällen vorgeworfen wurde.

Das Piket Glattal ist eine Milizfeuerwehr und  ist für die Stadtkreise 11 (Affoltern, Oerlikon, Seebach) und 12 (Saatlen, Schwamendingen-Mitte, Hirzenbach) und bis zum Milchbuck, respektive Bucheggplatz der Stadtkreis 6 (Ober- und Unterstrass) zuständig. Bei Einsätzen werden sie von Schutz und Rettung Zürich unterstützt.

Bei einer Sitzung am 16. Dezember 2008 mit 25 Angehörigen des Piketts gab der Kommandant Urs Zahner seinen Rücktritt per Ende Jahr bekannt. Als Grund nannte er Differenzen mit der Leitung von Schutz und Rettung und der Leitung vom Stützpunkt Nord. Diese Differenzen betreffen einerseits die Sicherheit der Bevölkerung in Zürich-Nord resp. wie diese längerfristig garantiert werden soll. Andererseits aber ist auch das persönliche Vertrauen zwischen ihm und den Verantwortlichen bei SRZ erschüttert. Denn anlässlich eines Gesprächs erfuhr der Kommandant, dass bei Ernstfalleinsätzen über die Angehörigen der freiwilligen Feuerwehr im Pikett Glattal, minutiös Informationen gesammelt worden sind, ohne dass diese davon wussten.

So wurden unter anderem Zitate von PG-Offizieren nachträglich schriftlich erfasst und bewertet, persönliche Kommentare von Berufsfeuerwehrleuten zu Einsätzen eingefordert, Einsätze mit Zitaten wie „Verhältnisblödsinn”, „Bagatellereignis mit grossem Fahrzeugpark” oder auch „PG kann es nicht lassen, BF (Berufsfeuerwehr) zu hänseln” umschrieben und beurteilt. Viele der so gesammelten Informationen sind nachweislich falsch oder ergeben nur Sinn, wenn der Zusammenhang näher angeschaut wird. Kommt dazu, dass das Pikett Glattal ab 1. Januar 2009, gemäss neuem Ausrückkonzept von SRZ, nur noch mit einem Tanklöschfahrzeug ausrücken darf. Dies obwohl unzählige Einsätze im Jahr 2008 gezeigt haben, dass gerade die Drehleiter der Berufsfeuerwehr als wichtigstes Rettungsfahrzeug, regelmässig sehr spät auf Platz war, weil die schlechte Ortskenntnis der Profis es nicht zuliess, schneller vor Ort zu sein.

 

Nachdem die anderen Angehörigen des Pikett Glattal von diesen Fakten Kenntnis erhalten hatten, kamen sie in einem kurzen Entscheidungsprozess zum Schluss, dass sie als Pikett Glattal nicht mehr länger in diese Erosion der Sicherheit in Zürich-Nord einbezogen sein wollen.

 

Das Pikett Glattal stand seit 79 Jahren als Ersteinsatz-Formation und Unterstützung der Berufsfeuerwehr im Dienste der Sicherheit und des Brandschutzes in Zürich-Nord. Mit Errichtung des sogenannten Stützpunkts Nord (ehemals Flughafen-Feuerwehr) wurde die Aufgabe des Pikett Glattal neu definiert. In der Folge zeigte sich, dass bei den weitaus meisten Einsätzen, zu denen das Pikett Glattal aufgeboten wurde, die freiwillige Formation früher als die Profis der Berufsfeuerwehr vor Ort war. Zudem kam es im ersten Jahr der Einführung zu diversen falschen Alarmierungen, bei denen unnötig Zeit verloren ging oder das Pikett gar nicht zu Bränden aufgeboten wurde. In Gesprächen mit der Leitung von SRZ und mit der zuständigen Stadträtin Esther Maurer wiesen die Angehörigen des Pikett Glattal mehrmals auf diese Misstände hin. Allerdings ohne Erfolg. Im Gegenteil. Statt die Stärke des Pikett Glattal zu nutzen und die hohe und kostengünstige Verfügbarkeit der Freiwilligen-Formation konsequent aufzubieten, wurde das Pikett Glattal immer weniger aufgeboten.

Von Schutz und Rettung Zürich liegt keine Stellungnahme vor.

Persönliche Anmerkungen
Ich bedaure es sehr, dass eine sehr schnelle Einsatztruppe aus Protest ihren Dienst beendet. Die Leidtragenden sind die Bewohner der Stadtkreise 11 und 12. Des sie können in Zukunft nicht mehr auf die Hilfe vom Pikett Glattal zählen, sondern müssen auf die Feuerwehrleute von Schutz und Rettung Zürich warten. Ich will die Qualität der Leitung der Berufsfeuerwehr in keiner Art und Weise in Frage stellen. Doch das die Bewohner nun länger auf die Feuerwehr warten müssen darf eigentlich nicht sein.

Es macht für mich den Anschein, dass die Stadt Zürich keine freiwillige Feuerwehr (Milizfeuerwehr) haben wollte und so die Bedingungen für das Pikett Glattal verschlechtert haben. Schade, den es profitiert niemand davon.

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